Junge Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, brauchen persönliche, lebensnahe und kompetente Unterstützung. Das Modellprojekt jmd2start Begleitung für junge Flüchtlinge im Jugendmigrationsdienst stärkt ihren Zugang zu Bildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe. Beim Jugendmigrationsdienst Kassel sowie an bundesweit 23 weiteren Modellstandorten werdem junge Flüchtlinge zwischen 12 und 27 Jahren beraten und begleitet, die entweder eine Duldung haben oder sich im Asylverfahren befinden. Das Modellvorhaben ist im September 2015 gestartet und wird aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.


Die meisten Flüchtlinge in Deutschland sind jung

Allein im Jahr 2015 kamen rund 1. Million Menschen nach Deutschland, um Krieg, Gewalt, Menschenrechtsverletzungen und Armut in ihren Heimatländern zu entkommen. Diese Situation stellt besonders die Kommunen vor große Herausforderungen, sowohl bei der Erstversorgung als auch bei der langfristigen Lebensweltintegration. Viele Flüchtlinge sind jung: Mehr als die Hälfte der Personen, die im Jahr 2014 Asyl beantragten, waren nicht älter als 25 Jahre.

Ebenfalls leben viele junge Menschen bereits seit Monaten oder Jahren mit einer Duldung in Deutschland sie besitzen keine Aufenthaltserlaubnis, können aber aus tatsächlichen oder rechtlichen Gründen nicht abgeschoben werden. Ende 2014 waren dies über 60.000 junge Menschen im Alter bis 29 Jahre.

Ein Großteil der jungen Menschen ob vor wenigen Tagen oder vor Jahren eingereist wird längerfristig in Deutschland bleiben. Sie benötigen daher verlässliche Ansprechpartner vor Ort, um einen leichteren Zugang zu Bildung, Ausbildung, Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe zu erhalten und somit eine Lebensperspektive zu entwickeln. Somit ist die Integration von jungen Flüchtlingen auch eine Chance für eine alternde Gesellschaft.


Früh Perspektiven geben

Gerade junge Menschen erleben ihre Situation als doppelte Herausforderung: Am Übergang zum Erwachsenensein müssen sie sich in einer neuen Lebenswelt zurechtzufinden und blicken in eine ungewisse private und berufliche Zukunft.

Die ersten Schritte zum Ankommen und Leben in Deutschland sind vielfältig: Kann ich an einem Sprachkurs teilnehmen, wenn ich nur eine Duldung habe? Ist es möglich, in Deutschland eine betriebliche Ausbildung zu beginnen? Erhalte ich in dieser Zeit auch finanzielle Unterstützung? Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, um einen Studienplatz an einer deutschen Hochschule zu bekommen?

Um bei diesen komplexen Themen fachkundig Rat und Hilfe zu geben, sind erfahrende Beratungseinrichtungen mit guten Netzwerkstrukturen gefragt. Gerade im Jahr 2015 wurden zahlreiche gesetzliche Neuregelungen auf den Weg gebracht u.a. das Gesetz zur Neubestimmung des Bleiberechts (August 2015), von denen junge Flüchtlinge profitieren können.


Jugendmigrationsdienste Experten für die Integration junger Menschen

Ob zum Thema Schule, beim Erlernen der deutschen Sprache oder bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz: Die bundesweit 450 Jugendmigrationsdienste haben als Angebot der Jugendsozialarbeit die Aufgabe, alle jungen Menschen mit Migrationshintergrund in vielfältigen Lebenslagen zu unterstützen. In ergänzenden Gruppenangeboten können die Jugendlichen zum Beispiel ihre Deutschkenntnisse trainieren oder mit Hilfe von ehrenamtlichen Coaches ihre Bewerbungsunterlagen bearbeiten.

Die Angebote der JMD sind niedrigschwellig, langfristig und aus einer Hand koordiniert. Für die umfassende lebensweltliche Beratung kooperieren die JMD mit allen relevanten Diensten und Einrichten vor Ort wie Verwaltungen, Jobcentern, Sprachschulen und Trägern von Integrationskursen, Schulen, Unternehmen und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Bislang konzentrierte sich die Beratungstätigkeit der JMD ausschließlich auf junge Menschen mit einer sicherer Bleibeperspektive. Die Angebote stehen nun an ausgesuchten Standorten modellhaft auch jungen Flüchtlingen zu Verfügung.


Das Modellprojekt für junge Flüchtlinge: Bedarfe erkennen Netzwerke nutzen

Das Modellprojekt jmd2start - Begleitung für junge Flüchtlinge im Jugendmigrationsdienst erprobt an 24 JMD-Standorten - so auch am Standort des Jugenmigrationsdienstes im Caritasverband Nordhessen-Kassel e.V. - in den nächsten zweieinhalb Jahren, wie eine qualifizierte Beratungsarbeit für die Zielgruppe junger Flüchtlinge, die noch keine sichere Bleiberechtsperspektive haben, bestmöglich geleistet werden kann. Welche Bedarfe haben junge Flüchtlinge? Welche rechtlichen Möglichkeiten stehen zur Verfügung? Welche Beratungsmethoden sind geeignet? Welche NetzwerkpartnerInnen sind wichtig?

Im Modellprojekt jmd2start - Begleitung für junge Flüchtlinge im Jugendmigrationsdienst werden spezifische Angebote zu den Schwerpunkten Ausbildung/Arbeitsmarkt, Gesundheit, Wohnsituation oder schulische Integration entwickelt und erprobt. Die gewonnenen Erkenntnisse zur Arbeit mit jungen Flüchtlingen werden als Handlungsempfehlungen der Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt.*


Der JMD Kassel als Modellstandort

Der Jugendmigrationsdienst im Caritasverband Nordhessen-Kassel gehört ebenfalls zu den Modellstandorten. Neben der Erweiterung der Sprechzeiten durch neu eingestellte Kolleginnen und Kollegen wurden mit dem Start des Modellvorhabens bereits einige eigene Projekte konzipiert. Zu nennen sind hier u.a. Meine Chance - Junge Flüchtlinge auf dem Weg zur Ausbildung, Angebote sprachlicher Bildung für junge Flüchtlinge sowie Schulungen/Fortbildungen zum Thema Flucht und Asyl für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren (Haupt-, Neben- und Ehrenamtliche), die mit jungen Flüchtlingen in Kontakt kommen (z.B. im Jobcenter, im Jugendamt, im Sozialamt, in einer Beratungsstelle usw.).

Weitere Informationen über die Arbeit des JMD Kassel sowie zur Umsetzung des Modellvorhabens am Standort Kassel erhalten Sie von den Kolleginnen und Kollegen des Jugendmigrationsdienstes selbst.

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

*Textquelle: http://www.jmd-portal.de/output.php?id=158894&tid=158894&jmdID=408